Ausflug nach King Island

Als Tasmanier bin ich schon ziemlich oft über die Bass-Straße geflogen, dennoch hatte ich bis neulich nie einen Fuß auf einer der Inseln in diesem Gewässer gesetzt. Als ich vor ein paar Wochen unerwartet ein paar Tage frei hatte, habe ich mich spontan entschieden, eine kurze Reise nach King Island zu unternehmen. Mit ungefähr 1500 Einwohnern ist King Island die bevölkerungsreichste Insel der Bass-Straße. Sie ist nach Philip Gidley King, einem früheren Gouverneur von New South Wales und Tasmanien, gennant worden.

Als ich am Freitag mit dem Taxi am Flughafen in Launceston amkam, musste ich feststellen, dass kein Abfertigungsschalter der Fluggesellschaft, bei der ich den Flug gebucht habe, im Hauptgebäude war. Als ich gefragt habe, hat mir einer der Flughafenpersonal den Weg zu einem Nebengebäude gezeigt, wo diese Fluggesellschaft zu Hause sei. Dort hat mich ein Angestellter gegrüßt und gefragt, ob ich Tim sei. Er hat mir eine Bordkarte gegeben, was eigentlich nur ein Stück Pappe mit der Sitzplatznummer darauf war. Ich ging in den Wartebereich (es war keine Sicherheitskontrolle) und wartete mit den anderen beiden Passagieren.

Der Flieger war ein Metroliner — ein Propellorflugzeug mit 19 Sitzplätzen. Drinnen war es bequem, obwohl manche Sachen fehlten, an denen man vielleicht von größeren Flugzeugen gewöhnt ist (Essen, Toilette, Inflight-Entertainment usw). Da die Sitze in Einzelreihen angeordnet waren (außer den drei Sitzplätzen ganz hinten), hatte jeder Passagier einen Fensterplatz. Vor dem Start hörten wir die routine Durchsage mit Sicherheitsanweisungen und so; die habe ich nur teilweise verstanden, weil die Propellor laut waren und die Durchsage etwas zu schnell und undeutlich gesprochen wurde. Der Flug ging um ungefähr 07:15 los — bei Sonnenaufgang, meine Lieblingstagezeit zu fliegen 🙂

Nach einer sehr sanften Landung blieben wir eine kurze Zeit in Wynyard, wo noch 5 Passagiere eingestiegen sind. Nach wenigen Minuten waren wir wieder unterwegs.

Auf King Island gelandet bin ich zum Flughafengebäude gegangen, wo ich von der Motelbetreiberin gegrüßt wurde. Nachdem die Koffer aus dem Flugzeug entladen wurden, hat sie mich zum Motel gefahren. Auf dem Weg sind wir durch Currie gefahren, und sie hat mir auch kurz ein paar andere Sehenswürdigkeiten gezeigt — unter anderem eine Fabrik, wo Seetang verarbeitet wird. King Island ist, wie ich später erfahren habe, eine wichtige Seetangsquelle, und Seetang wird von der Insel nach Schottland exportiert, um weiter verarbeitet zu werden.

Ins Motel eingecheckt bin ich dann Richtung Currie aufgebrochen. Eigentlich sollte der Weg nur 5-10 Minuten (zu Fuß) dauern. Nach einer halben Stunde musste ich feststellen, dass ich noch nicht in Currie war. Ich habe mich dann entschlossen, zum Motel zurückzukehren. Auf dem Weg dorthin bin ich aber doch irgendwie in Currie angelangt! Naja, meine Navigationskünste sind nicht die besten 😉

Das Zentrum Currie ist kompakt, dennoch befanden sich dort viele Geschäfte — unter anderen drei Cafés, zwei (ziemlich große) Supermärkte, ein Hotel, ein Postamt, ein Zeitungsladen, eine Bäckerei, eine Metzgerei, ein Immobilienmakler, eine Bankfiliale und eine Wäscherei. Da es zu der Zeit ziemlich kalt und regnerisch war, habe ich erst eine Weile in der Bäckerei bei einem heißen Getränk gesessen. Danach habe ich mir die anderen Geschäfte angeschaut — und auch einen kleinen Markt auf der Veranda des Hotels, der freitags stattfindet.

Currie Zentrum

Als es aufhörte zu regnen, bin ich zurück zum Motel gegangen. Das Zimmer hatte eine schöne Aussicht über den Golfspielplatz und das Wasser. Da musste ich mir denken: Würde man westwärts von der Westküste der Insel (wo ich war) segeln, würde man vermutlich erst in Südamerika wieder Land sehen. (Westaustralien und Südafrika befinden sich wesentlich weiter nordwärts.)

Aussicht aus dem Motelzimmer

Später ging ich zum King Island Club zum Abendessen. Ich setzte mich neben das Kaminfeuer und es war wunderschön warm. Als die Kellnerin zu mir kam, habe ich gesagt, dass ich Vegetarier sei, und sie hat mir gesagt, man könne eine chinesische Gemüsepfanne machen. Ich habe das und auch eine Süßkartoffelsuppe bestellt, und alles schmeckte super.

Am Samstag war es wieder kalt und regnerisch. Die Motelbetreiberin hatte mir am Freitag erzählt, dass sich in der Nähe von Currie ein sogennantes „Restaurant With No Food“ befinde. (Der Name ist vermutlich eine Anspielung auf das Lied A Pub with No Beer.) Das „Restaurant“ ist eigentlich ein Bootshaus. Man nimmt eigenes Essen mit und bereitet es selber dort. Es schien mir, dass dieser Ort bei schlechtem Wetter gemütlich sein könnte, deshalb habe ich mich auf den Weg dorthin gemacht. Ich machte kurz Pause in Currie, wo ich ein paar Sachen einkaufte, und wartete bis der Regen ein bisschen nachließ. Danach bin ich zum Restaurant gelaufen. Dieses Mal hatte ich keine Navigationsprobleme 🙂

Das Restaurant besteht aus einem Raum mit Aussicht aufs Wasser. Geschirr, Besteck, Wasserkocher, Grill, Tisch und Sessel stehen zur Verfügung. Es gibt auch ein Keyboard, eine Trommel, Kunstwerke (die man kaufen konnte) und Lesestoff. Wer das Restaurant benutzt, wird gebeten, ein wenig Geld in eine Honesty Box einzuwerfen.

Honesty Box im Restaurant With No Food

Nach einer Weile fing es an, richtig stark zu regnen, deshalb bin ich einige Stunden dort geblieben. Außer einem Vater und seinem Kind, die kurz vorbeigekommen sind, habe ich sonst niemanden im Restaurant gesehen. Als der Regen endlich nachließ, habe ich das Restaurant verlassen.

Auf dem Weg zurück zum Motel habe ich mir einen Leuchturm angesehen. King Island war früher ein sehr gefährlicher Ort für Seefahrer und im 19. Jahrhundert sind viele Schiffe dort verunglückt. Deshalb befinden sich heutzutage vier Leuchtürme auf der Insel. In der Nähe des Leuchturms war ein kleines Museum, das an dem Tag zu hatte. Es gab aber eine kleine Ausstellung draußen. Dort habe ich gelesen, dass 1942 ein japanisches U-Boot in der Nähe gewesen sei und dass man einen Testflug mit einem Flugzeug, das an Bord war, gemacht habe.

Leuchturm

Am Sonntag war der Rückflug nach Launceston. Obwohl Auscheckzeit normalerweise um 10 Uhr gewesen wäre, hat mir die Motelbetreiberin gesagt, ich dürfe das Zimmer den Rest des Tages benutzen. Ich habe die meisten Sachen gepackt und bin dann nach Currie gelaufen. Dort habe ich ein paar Postkarten geschrieben. Da an dem Tag vergleichsweise gutes Wetter herrschte, bin ich eine Weile wandern gegangen, bevor ich zum Motel zurückkehrte.

Der Wartebereich im Flughafen auf King Island war bequem und eigentlich viel größer, als der in Launceston. Am Abfertigungsschalter hat man mich wieder gefragt, ob ich Tim sei — anscheinend fallen nicht-Inselbewohner auf ;-). Das Flugzeug war ziemlich verspätet. Nachdem es gelandet war, hat ein alter Mann, der nah mir saß, beobachtet, wie das Personal die Propeller ein paar mal von Hand drehten. Dazu meinte er: „They’ll have to wind it up more than that!“ Danach musste das Personal — bei inzwischen strömendem Regen — das Gepäck ins Flugzeug laden. Kurze Zeit später sind erst die Launceston-Passagiere und dann die Wynyard-Passagiere eingestiegen, und wir fliegten los.

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Über Tim

Ein Tasmanier versucht, Deutsch zu schreiben
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5 Antworten zu Ausflug nach King Island

  1. dafshow schreibt:

    Schöner Reisebericht! Man kann sich gut vorstellen, dass King Island eine besondere Insel mit ihren Eigenheiten und die Reise dorthin ein kleines Abenteuer ist!

  2. franhunne4u schreibt:

    Oops, besser spät als nie, wie man so schön sagt, fliegen ist im Deutschen genauso unregelmäßig wie im Englischen – Ich fliege, ich flog (nicht: ich fliegte) … Du nimmst mir das nicht übel, hoffe ich. Ich bin fasziniert wie DEUTSCH dein Blog sich liest – und dann kam dieser kleine Fehler daher.

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