Warum ich keine Crowdfundingprojekte mehr unterstütze

Crowdfunding ist eine Möglichkeit, ein Projekt zu finanzieren, indem man viele kleine Beiträge von Menschen im Internet sammelt. Das Projekt kann zum Beispiel ein Film oder ein Buch sein, oder sogar eine neue Erfindung. Der Projektbetreiber erstellt ein Profil auf einer Webseite und nennt eine bestimmte Geldsumme, die er zum Realisieren des Projekts benötigt, und ein Enddatum für die Kampagne. Projektunterstützer können dann auf die Seite gehen und ihren erwünschten Beitrag auswählen. Normalerweise haben sie auch die Möglichkeit, ein sogenanntes Dankeschön auszuwählen, also eine kleine Gegenleistung, die bei der erfolgreichen Fertigstellung des Projekts bis ein genanntes Lieferdatum vom Projektbetreiber geliefert werden soll. Sind bis das Enddatum ausreichend Beiträge zusammengekommen, wird das Geld an den Projektbetreiber weitergegeben, und die Realisierung des Projekts fängt an. Sonst wird das Geld in der Regel an die Projektunterstützer zurückgezahlt (bzw gar nicht erst abgebucht, falls per Kreditkarte bezahlt wurde).

Das hört sich also so an wie ein toller Weg, Leuten beim Realisieren von verschiedenen Projekten zu helfen, die ohne das Internet wahrscheinlich gar nicht möglich wären. So habe ich zumindest gedacht, als ich 2015 einige Crowdfundingprojekte unterstützt habe.

Einige der von mir unterstützten Projekte erreichten ihr Finanzierungsziel nicht. Kein Geld wurde abgebucht, und die Projekte wurden nicht realisiert bzw die Projektbetreiber finanzierten ihre Projekte auf konventionelle Weise. Alles in Ordnung! Ein paar andere Projekte unterstützte ich durch eine einfache Spende, also ohne Gegenleistung. Sie erreichten ihr Finanzierungsziel und wurden erfolgreich realisiert. Schön und gut! Und bei 11 Projekten, die erfolgreich finanziert wurden, habe ich ein Dankeschön ausgewählt. (Strenggenommen wurde bei einem das Finanzierungszeil nicht erreicht, aber es herrschte da ein flexibles Fundingmodell: Auch beim Nicht-Erreichen des Fundingziels werde das Geld abgebucht und der Projektbetreiber habe immer noch die Dankeschöns zu liefern, hieß es auf der Webseite.)

Bei drei Projekten ging es dann ziemlich schnell: Die Projektbetreiber haben mir die Dankeschöns rechtzeitig und vollständig zukommen lassen. Toll! Bei zwei weiteren Projekten verzögerte sich die vollständige Lieferung der Dankeschöns zwar um ein paar Monate, aber ich habe da wenigstens eine zufriedenstellende Erklärung dafür bekommen. Kein Problem!

Bei drei Projekten wurde zwar ein Teil des Dankeschöns rechtzeitig geliefert, aber dann kam nichts Weiteres, nicht mal eine halbwegs akzeptable Erklärung. Und bei den restlichen drei wurde einfach gar nichts geliefert! In einigen Fällen weiß ich ganz genau, dass das Projekt selbst erfolgreich realisiert wurde, daran liegt also das Problem nicht. Aber was die Lieferung der Dankeschöns angeht, herrscht seit Monaten (seit über einem Jahr in einem Fall) Funkstille.

Nun, ich gehe nicht unbedingt davon aus, dass die meisten Projektbetreiber die Absicht haben, ihre Unterstützer zu betrügen. Ich vermute eher, dass sie den Zeitaufwand so eines Projekts einfach massiv unterschätzen. Eventuell betrachten einige Projektbetreiber Crowdfunding eher als eine Möglichkeit, Spenden zu sammeln, und halten es nicht für wichtig, die versprochenen Dankeschöns zu liefern? So wird das den Projektunterstützern aber nicht dargestellt!

Was ich mir von Projektbetreibern gerne wünschen würde:

  • Falls Ihr es nicht geschafft habt, den Unterstütztern bis das Lieferdatum ein Dankeschön zukommen zu lassen: Meldet Euch bei denen! Erklärt ihnen, woran das Problem liegt, bis wann sie das Dankeschön jetzt erwarten können. Haltet sie auf dem Laufenden! Ich glaube, die meisten Projektunterstützer werden es nachvollziehen können und Euch gegenüber sympatisch sein, wenn Ihr ihnen die Situation rechtzeitig und ehrlich schildert.
  • Falls Ihr aus irgendwelchen Gründen die Dankeschöns nicht mehr in der Form werdet liefern können, wie Ihr damals versprochen habt: Macht Euch Gedanken, ob Ihr den Projektünterztützern eine Alternative anbieten könnt. Falls Ihr ein Video einer Veranstaltung versprochen habt, die Aufnahmen aber verloren gegangen sind, macht vielleicht ein Video, in dem Ihr über die Veranstaltung redet und ein paar Fotos davon einblendet. Falls Ihr ein Zertifikat per Post versprochen habt, aber irgendwie nicht mehr in der Lage sind, das auszudrucken und abzuschicken: Sendet wenigstens eine elektronische Kopie, die die Projektunterstüzter selber ausdrucken könnt.

An die Betreiber von Crowdfundingplattformen: Kümmert Euch darum, was auf Euren Plattformen los ist! Wenn meine Erfahrung — weniger als die Hälfte von Projektbetreibern liefern die versprochenen Dankeschöns — typisch ist, habt Ihr echt ein Problem! Meine Ratschläge an Euch:

  • Meldet Euch ab und zu mal bei Projektbetreibern und Projektunterstützern und kontrolliert, ob alle Dankeschöns geliefert werden. Nicht einfach davon ausgehen, dass, solange ein Projekt erfolgreich finanziert wurde, alles im grünen Bereich ist.
  • Veröffentlicht Daten, wie viele Dankeschöns tatsächlich geliefert wurden. Ihr publiziert gerne Daten, welcher Prozentsatz von Projekten erfolgreich finanziert wurden, damit Projektbetreiber ihre Chancen besser einschätzen können. Aber Projektunterstützern, die für das Ganze schließlich bezahlen, stehen keine entsprechenden Informationen zur Verfügung!

Also das ist der aktuelle Stand. Ich habe nicht komplett die Hoffnung aufgegeben, dass bei einigen der sechs Projekten ich irgendwann doch noch die Dankeschöns bekommen werde. Falls sich in nächster Zeit irgendwas großartig ändert, werde ich nochmals hier posten.

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Über Tim

Ein Tasmanier versucht, Deutsch zu schreiben
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